Neuerwerbungen zur Romantik: Novalis und Friedrich Schlegel

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Novalis, Friedrich Schlegel und die Suche nach einem tragenden Grund
Neuerwerbungen zur Romantik

28. Januar bis 4. März 2012
Eröffnung: 27. Januar 2012, 19 Uhr (Eintritt frei)

 

In jĂĽngster Vergangenheit ist es dem Freien Deutschen Hochstift gelungen, spektakuläre Handschriften aus dem Bereich der literarischen Romantik zu erwerben: ein Entwurfsblatt zum Beginn des Romanfragments Heinrich von Afterdingen von Friedrich von Hardenberg ('Novalis') sowie die Sammlung Lieber mit Handschriften und Briefen von Friedrich Schlegel.
 

Heinrich von Afterdingen
Eine wiederentdeckte Handschrift von Novalis

Im Winter 1799 begann Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772–1801) mit der Niederschrift des SchlĂĽsselwerks der FrĂĽhromantik, das seit dem postumen Erstdruck im Jahr 1802 (fälschlich) ›Heinrich von Ofterdingen‹  genannt wird und die ›blaue Blume‹ als Symbol des Unendlichen in die romantische Literatur einfĂĽhrte.
Eine vor kurzem in einem englischen Memorabilienalbum entdeckte Handschrift wirft neues Licht auf die Ausgangskonstellation des Romans. Die Handschrift hebt auf der Vorderseite mit einem »Zueignung« ĂĽberschriebenen Sonett an. Auf der RĂĽckseite folgt zunächst der Titel des Romans und dann ein weiteres Sonett (»In ewigen Verwandlungen begrĂĽĂźt...«), das somit den ersten Teil des Romans eröffnet. Die Drucke hingegen behandeln beide Sonette als Einheit. Die ›Zueignung‹ widmet den gesamten Roman einer unbekannten Macht, die den Protagonisten trägt und durchströmt. Das Fundament des Werks bildet mithin kein abstrakter philosophischer Grundsatz, sondern die konkrete, persönliche Erfahrung eines universellen Prinzips.

Auffällig ist der Titel: ›Heinrich von Afterdingen‹. Dass die Herausgeber Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck ihn im Erstdruck eigenmächtig in ›Heinrich von Ofterdingen‹ verändert hatten, war Experten bekannt – wobei es bis heute keine Ausgabe gibt, die den Eingriff rĂĽckgängig gemacht hätte. Heinrichs selbstgestellte Lebensaufgabe, sich von den nachgeordneten Dingen des Lebens (den ›Afterdingen‹) zu lösen und seiner Berufung zu folgen, ist nach wie vor nur in der Handschrift sichtbar.

Bemerkenswert sind schließlich die vielen Korrekturen, die einen präzisen Einblick in die Entstehung der beiden Gedichte geben.

Die Handschrift wurde Ende November 2011 mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Fritz Thyssen Stiftung und des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main erworben.
 

Die Pressemitteilung zu Novalis finden Sie hier.

 
Novalis, Heinrich von Afterdingen.jpg
Novalis, Heinrich von Afterdingen, zweite Seite der Handschrift
 
 


 

Kreise der Poesie
Handschriften von Friedrich Schlegel aus der Sammlung Lieber

Der Philosoph und Schriftsteller Friedrich Schlegel (1772–1829) suchte sein Leben lang nach einer Form, die es ihm ermöglichen sollte, die »unendliche FĂĽlle« des Lebens in die »unendliche Einheit« einer schlĂĽssigen Darstellung zu ĂĽberfĂĽhren, ohne die FĂĽlle damit zu zerstören. »Es ist gleich tödtlich fĂĽr den Geist, ein System zu haben, und keins zu haben. Er wird sich also wohl entschlieĂźen mĂĽssen, beydes zu verbinden«, lautet eines seiner Athenaeums-Fragmente von 1798. Hierin wusste sich Schlegel mit seinem Freund Novalis einig, der zwei Jahre zuvor notiert hatte, das Ziel der Philosophie mĂĽsse »Systemlosigkeit, in ein System gebracht« sein.

Grundlage und Aufbau eines solchen systemlosen Systems blieben fĂĽr Schlegel zeit seines Lebens problematisch. Obgleich er ab 1800 in Jena, Paris und Wien Philosophie lehrte, blieb sein philosophisches Hauptwerk ungeschrieben. Erhalten hat sich jedoch eine groĂźe Menge an Heften und losen Zetteln mit philosophischen Gedankensplittern, die alle denkbaren Bereiche möglichen Wissens ausleuchten und die Grundbegriffe des Gesamtunternehmens in immer neue Konstellationen setzen – etwa in Form von Kreisen.

180 Seiten solcher Aufzeichnungen aus der ›Sammlung Lieber‹ hat das Freie Deutsche Hochstift 2011 erworben. Gezeigt werden Notizen aus den Jahren 1802–1807 zur Philosophie, Physik, Historie und Poesie sowie Briefe Schlegels an Novalis, die sich ebenfalls fast vollständig in der Sammlung erhalten haben.

Die ›Sammlung Lieber‹ wurde bereits in den 1960er Jahren von der Bad Camberger Familie Lieber dem Freien Deutschen Hochstift als Leihgabe ĂĽbergeben. Sie enthält knapp 900 Autographen, neben den Schlegel-Handschriften vor allem Manuskripte und Korrespondenzen des Publizisten und Politikers Moritz Lieber (1790-1860), der mit vielen Autoren der Romantik in Beziehung stand. Im Sommer 2011 erwarb das Hochstift die Sammlung mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Hessischen Kulturstiftung, des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main, der Rudolf August Oetker-Stiftung, der Dr. Marschner Stiftung, der FAZIT-Stiftung sowie privater Spender. Die Präsentation wurde gefördert vom Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. (AsKI).
 

Die Pressemitteilung zu Friedrich Schlegel finden Sie hier.

 
Schlegel, Kreis 1.JPG       
 
 
Schlegel, Kreis 2.JPG
 
 Friedrich Schlegel. Notizen zur Philosophie (um 1805)

 

 

 

Daten der Veranstaltung

Veranstaltungsort Arkadensaal
Termin 28.01.2012 bis 04.03.2012
Eintritt Die Eintrittspreise entnehmen Sie bitte
der Seite "Ă–ffnungszeiten & Eintritt"
Kontakt Martina Falkenau
E-Mail anmeldung@goethehaus-frankfurt.de
Telefon: 069 / 13880-0

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