Geschichte

 

 

Otto Volger 1864

Das "Freie Deutsche Hochstift f√ľr Wissenschaften, K√ľnste und allgemeine Bildung" wurde 1859, am 100. Geburtstag Friedrich Schillers, von etwa f√ľnfzig zumeist Frankfurter B√ľrgern gegr√ľndet. Die politischen Ideale der gescheiterten Revolution von 1848 sollten hier eine ins Geistig-Kulturelle gewendete Heimstatt finden. Initiator war der siebenunddrei√üigj√§hrige Privatdozent der Geologie Dr. Otto Volger aus L√ľneburg, der selbst einst ein aktiver 1848er gewesen war.

Der jedem offenstehende Verein Рdamals keine Selbstverständlichkeit! Рverstand sich als Akademie und zugleich als eine Art Volkshochschule.

Er wollte in Lehre und Forschung von obrigkeitlicher oder kirchlicher Bevormundung frei sein und den Gedanken der deutschen Einheit in der Besinnung auf die gemeinsame kulturelle Identit√§t wach halten: ein "Hochstift", ein geistiger Mittel- und Sammelpunkt f√ľr die ganze Nation.

1863 erwarb der junge Verein Goethes Elternhaus am Großen Hirschgraben, das seit dem Auszug Catharina Elisabeth Goethes 1795 mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, im Innern umgebaut und zum Teil noch vermietet war.

 

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Eintrittskarte ins Goethehaus 1864

Mit dem Kauf und der allmählichen Inbesitznahme des Hauses wuchs der Vereinigung eine neue Aufgabe zu.

Neben dem satzungsgem√§√üen Wirken f√ľr das allgemeine Bildungswesen, dem man durch Vortragsreihen, √∂ffentliche Stellungnahmen zu Bildungsfragen und den Versuch, bedeutende Pers√∂nlichkeiten f√ľr diese Bestrebungen zu gewinnen, nachkam, galt es, der historischen Bedeutung von Goethes Elternhaus gerecht zu werden.

Dank eines großen Vermächtnisses, das 1881 die Finanzen des Vereins auf eine solide Grundlage stellte, durfte man hoffen, die Vielfalt der Aufgaben zu bewältigen.

 

 

Zwei Umst√§nde f√ľhrten indessen bald zu einer deutlichen Gewichtsverlagerung zugunsten der Museums-, Sammlungs- und Forschungst√§tigkeit: die Gr√ľndung einer Universit√§t in Frankfurt am Main, der Johann Wolfgang Goethe-Universit√§t, und das Erl√∂schen eines eigenen Lehrangebots w√§hrend des Ersten Weltkriegs.

 

Frankfurter Goethe-Museum 1897

Schon 1897 hatte ein eigener Museums- und Bibliotheksbau neben dem Goethe-Haus errichtet werden k√∂nnen, das "Frankfurter Goethe-Museum", das die seit der Jahrhundertwende stetig vermehrten Sammlungen an bildk√ľnstlerischen Zeugnissen, Dichterautographen und B√ľchern der Goethezeit sowie die dazugeh√∂rige Forschungsbibliothek aufnahm.

Seit 1902 legte das "Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts" √ľber diesen T√§tigkeits- zweig ausf√ľhrlich Rechenschaft ab.

 

 

Im Jahr 1925 √ľbernahm Ernst Beutler das Amt des Direktors aus den H√§nden des seit 1888 amtierenden Otto Heuer, des eigentlichen Gr√ľnders eines Goethe-Museums in Frankfurt am Main. Die Situation war √§u√üerst schwierig: Die Inflation hatte die finanzielle Grundlage des Freien Deutschen Hochstifts vernichtet, das Goethe-Haus bedurfte dringend der baulichen Stabilisierung, der Museums-Bau musste erneuert und erweitert werden. Es gelang, alle drei Probleme innerhalb von sieben Jahren zu bew√§ltigen, und am 14. Mai 1932 konnte durch Thomas Mann der neue Museumstrakt feierlich er√∂ffnet werden.

 

Frankfurter Goethe-Museum 1932

Mit dem Jahr 1933 zogen neue, ernsthafte Gef√§hrdungen f√ľr das Freie Deutsche Hochstift und seinen liberal gesinnten Direktor herauf.

Das Reich und Preu√üen stellten ihre Unterst√ľtzung ein; die Frankfurter Kreise, die dem Institut geistigen und materiellen R√ľckhalt geboten hatten, wurden von den Nationalsozialisten zersprengt und ins Exil oder in die innere Emigration getrieben.

 

1937 verlor der Hochstiftsdirektor seine Honorarprofessur an der Universität und erhielt Redeverbot im "Gau" und in der Stadt Frankfurt.

In sicherer Erwartung des Krieges begann das Institut von 1939 an, seine wertvollen Sammlungsbest√§nde an Orten au√üerhalb Frankfurts auszulagern, bis 1943 wurden sie nach und nach an zw√∂lf verschiedenen Pl√§tzen in Sicherheit gebracht. Bei dem gro√üen Angriff auf Frankfurt am Main am 22. M√§rz 1944 sinken das Goethe-Haus und das Goethe-Museum in Tr√ľmmer.

Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren von den M√ľhen des Wiederaufbaus dominiert, der f√ľr das Goethe-Haus 1951, f√ľr das Goethe-Museum 1954 abgeschlossen werden konnte. 1960 stirbt Ernst Beutler, hochgeehrt im Inland wie im Ausland.

1962 tritt Detlev L√ľders das Amt des Direktors an. Unter seiner Leitung werden die Abteilungen des Hauses um zwei erweitert, eine Brentano-Redaktion und eine Hofmannsthal-Redaktion. Der Bibliothek wird eine Papierrestaurierungswerkstatt angegliedert, der Graphischen Sammlung ein Fotoarchiv. Das Jahrbuch wird nach langer Unterbrechung wieder gegr√ľndet, das Institut √ľbernimmt mit der "Historisch-kritischen Ausgabe s√§mtlicher Werke und Briefe Clemens Brentanos" und der "Kritischen Ausgabe S√§mtlicher Werke Hugo von Hofmannsthals" zwei Editionsprojekte hohen wissenschaftlichen Anspruchs.

Nach zwanzigj√§hriger Amtst√§tigkeit tritt Detlev L√ľders in den Ruhestand, ihm folgte f√ľr ein Jahr der Goethe-Forscher Arthur Henkel, im Herbst 1983 √ľbernahm Christoph Perels das Amt des Direktors.

Schon 1982 waren erste konkrete Überlegungen erfolgt, wie die nach dem Krieg unter großen Einschränkungen wiedererrichteten Gebäude saniert und den Sammlungen wie den Aufgaben entsprechend ausgestaltet werden könnten. Ein grundlegender Umbau der Magazine, des Museums und der Arbeitsräume erwies sich als unabdingbar. Ohne dass der Sammlungsauftrag und die wissenschaftlichen Projekte eine Unterbrechung erfuhren und ohne dass das Goethe-Haus selbst geschlossen werden musste, konnte das Institutsgebäude zwischen 1992 und 1997 grundlegend saniert, umgebaut und modernen Sicherheits- und Arbeitsstandards angepasst werden.

 

Straßenansicht am Großen Hirschgraben 1997

Am 20. Juni 1997, dem hundertsten Geburtstag des Frankfurter Goethe-Museums, wurde das umgebaute Haus durch Bundespr√§sident Roman Herzog feierlich eingeweiht. Seitdem bietet das Freie Deutsche Hochstift √ľber seine wissenschaftliche und seine Museumsarbeit hinaus j√§hrlich ein umfangreiches Kulturprogramm mit Vortr√§gen, Dichterlesungen, Rezitationen und Musikabenden an, seine Ausstellungst√§tigkeit hat sich dank eines hinzugewonnenen Saals deutlich intensiviert. Seit 2003 steht mit Anne Bohnenkamp-Renken die erste Frau an der Spitze des Freien Deutschen Hochstifts.

 

Vierzig, zum Teil aus Drittmitteln bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie sechsundzwanzig Aushilfskr√§fte arbeiten in den verschiedensten Aufgabenbereichen und stehen den j√§hrlich rund 100.000 Besuchern des Goethe-Hauses, des Goethe-Museums und der Forschungseinrichtungen zur Verf√ľgung.

Vorsitzender des Verwaltungsausschusses: Carl-L. von Boehm-Bezing
Stellvertr. Vorsitzender: Prof. Dr. Gerhard Kurz
Schatzmeister: Dr. Helmut Häuser
Stellvertr. Schatzmeister: Friedrich von Metzler

 

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