Biographie

Kurzbiographie zu Hofmannsthal

Hofmannsthal in Paris, Anfang 1900

 

Beachten Sie unsere aktuelle Publikation zu Hofmannsthals Biographie: Hofmannsthal. Orte. 20 biographische Erkundungen. Hrsg. v. Wilhelm Hemecker und Konrad Heumann in Zusammenarbeit mit Claudia Bamberg. Wien 2014.

Eine zuverlässige Chronik zu Hofmannsthals Leben und Werk finden Sie hier.

Im Zuge seiner Anmeldung zur Habilitation verfasste Hofmannsthal Ende 1899 folgenden Lebenslauf, von dem eine Abschrift im Freien Deutschen Hochstift verwahrt wird: 
 

Curriculum vitae.

Geboren zu Wien 1. Februar 1874, absolvierte ich die Gymnasialstudien in den Jahren 1884-1892 am akademischen Gymnasium in Wien.

Ich wandte mich an der Wiener Universität zuerst den juridischen Studien zu und legte nach 4 Semestern die erste StaatsprĂĽfung mit Erfolg ab, unterzog mich darauf meiner einjährigen Präsenzdienstpflicht im k. u. k. Heere und bin derzeit Lieutenant in der Reserve des k. u. k. Uhlanen-Regimentes N° 8.

Nach Ablauf dieses militärischen Dienstjahres, an Alter gereifter und mehr im Stande, meine geistige Eignung zu beurtheilen, entschloß ich mich, das rechtswissenschaftliche Studium aufzugeben und mich dem Studium der romanischen Philologien zuzuwenden, hierin sowohl einer lebhaften Neigung folgend, als auch von einer zum Theile schon durch die Abstammung bestimmten, durch frühzeitige Reisen und eine fast leidenschaftlich getriebene Lectüre geweckten Anlage zu dieser Bethätigung hingetrieben.

Nach Ablauf von 5 Semestern erwarb ich, im Monate März 1899, das Doctorat der Philosophie an der Universität Wien. Den Winter 1899-1900 verbrachte ich zum großen Theile in Paris in einem ausgedehnten Verkehre theils mit Gelehrten und Literatur, theils mit Angehörigen anderer Gesellschaftskreise, immer lebhaft bestrebt, aus dem lebendigen Gebrauche von Sprache und Kultur heraus das Ueberkommene, aus dem Ueberkommenen das Gegenwärtige zu erfassen und gewisse, das Geistige zusammenfassende Begriffe mir empirisch zu bilden.

Hatte ich schon früher, ja zum Theile in einem ziemlich unreifen Alter, in verschiedenen Monatsschriften Aufsätze publiciert, welche eine einzelne Erscheinung der französischen Literatur und Kultur (den Philosophen Henri Amiel, den Publicisten Maurice Barrès) in ihren Zusammenhängen mit Epoche und Tradition zu erfassen suchte, so fühlte ich mich, zum Zwecke einer Habilitationsschrift, veranlasst, eine centrale Erscheinung einer uns noch durchaus übersichtlichen, ja eigentlich gegenwärtigen Literaturepoche darzustellen, als ein Thema, welches gestattet, einige allenfalls erlangte Einsicht in die Zusammenhänge, wodurch sich ein Zeitalter characterisiert, ohne Weitschweifigkeit zum Aussdruck zu bringen.

1899
Hugo von Hofmannsthal
Dr. phil.

 



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