Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas

Von „lastender Rechtsproblematik“ seien die Dichtungen Kleists erfüllt, schreibt Thomas Mann. Das gilt vor allem für ‚Michael Kohlhaas’, die Geschichte eines „der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen“ seiner Zeit, dessen „Rechtsgefühl ... ihn zum Räuber und Mörder machte“. „Kohlhaas, der Du Dich gesandt zu sein vorgibst, das Schwert der Gerechtigkeit zu handhaben“, schreibt Luther, „was unterfängst Du Dich, Vermessener, im Wahnsinn stockblinder Leidenschaft, du, den Ungerechtigkeit selbst, vom Wirbel bis zur Sohle erfüllt?“ Luthers Brief rückt das Verdikt, um das die zahllosen Reflektionen über Recht und Unrecht hier kreisen, scharf ins Licht. Wiederstandsrecht oder Exzess? Kohlhaas bekommt am Ende sein Recht, aber er wird hingerichtet. Das ist keine Versöhnung, sondern ein antizipiertes Beispiel für die  Widersprüche, mit denen sich die Rechtsordnungen zunehmend arrangieren. In seinem Gespräch mit Luther liefert Kohlhaas einen Beleg für die Ambivalenzen, die durch politisch anspruchsvolle Konzeptionen des Rechts entstehen – vergleichbar der Zerreissprobe, die Schiller seinem Wallenstein auferlegt – eine (bis in die Wortwahl) ausdrückliche Anspielung Kleists.

 

  • Klaus Lüderssen ist emeritierter Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie. Der Literaturinteressierte sei vor allem auf seine Arbeiten ‚Eichendorff und das Recht‘ und ‚ „… daß nicht der Nutzen des Staats Euch als Gerechtigkeit erscheine“. Schiller und das Recht‘ (beide Suhrkamp) hingewiesen.

Daten der Veranstaltung

Referent/in Prof. Dr. Klaus Lüderssen
Veranstaltungsort Arkadensaal
Termin 22.11.2011
von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
max. Teilnehmerzahl Die Zahl der Teilnehmer an dieser Veranstaltung ist nicht begrenzt.
Veranstaltungskosten Die Veranstaltung ist kostenlos. (Mitglieder)
  4,00 € (Gäste)
Kontakt Martina Falkenau
E-Mail anmeldung@goethehaus-frankfurt.de
Telefon: 069 / 13880-0

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