Faust, das Geld und die Inflation

Goethes Phänomenologie der Krise

 

Vor dem Hintergrund des Revolutionsjahres 1830 schließt Goethe am Ende seines Lebens die Arbeit am Faustmanuskript ab. Man wird die zuletzt entstandenen Passagen der Tragödie als Phänomenologie der Krise des alten Europas lesen können, die uns die Geburtswehen des modernen Industriezeitalters zeigt. Beginnend mit der  Papiergelderfindung – und dessen Inflation – nimmt das Drama den Charakter einer Revue jener Ideen und Unternehmungen der neuen Epoche an, die dem 19. Jahrhundert utopisch erscheinen mussten – und die unterdessen den Alltag von uns Heutigen prägen. Neben der kapitalistischen Ökonomie zählen dazu die Projekte der industriellen Naturkolonisation, eines technisch-wissenschaftlichen Weltumbaus und zuletzt des Menschen-Machens. Weil sich in der aktuellen Krise der globalen kapitalistischen Ökonomie die Geschichte der Moderne gleichsam schließt und ihre krisenhaften Ursprünge wieder sichtbar werden, die Goethe ins Bild gesetzt hat, spricht uns die Tragödie Fausts gerade heute so unmittelbar an.

Michael Jäger ist Privatdozent für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin. Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen ‚Global Player Faust oder Das Verschwinden der Gegenwart. Zur Aktualität Goethes’ und ‚Fausts Kolonie. Goethes kritische Phänomenologie der Moderne’.

Daten der Veranstaltung

Referent/in PD Dr. Michael Jäger, Berlin
Veranstaltungsort Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Renate von Metzler-Saal im Casino-Gebäude (CAS 1.801)
Termin 20.11.2012
von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
max. Teilnehmerzahl 200
Anmeldefrist 18.11.2012
Veranstaltungskosten Die Veranstaltung ist kostenlos. (Mitglieder)
Kontakt Martina Falkenau
E-Mail anmeldung@goethehaus-frankfurt.de
Telefon: 069 / 13880-0

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