"Die Leiden des jungen Werthers" und Goethes erste Schweizerreise

Eine Verknüpfung des Erstlingsromans von Goethe mit seiner ersten Reise in die Schweiz ist in der Forschung nicht bekannt. Zur Herbstmesse des Jahres 1774 war der Erstdruck des Romans erschienen, im Frühjahr 1775 begaben sich Goethe, die Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg und der Freiherr Curt von Haugwitz auf eine Reise durch Süddeutschland, das Elsass und in die Schweiz. Bisher in der Goethe-Forschung unberücksichtigte und noch nicht gedruckte Briefe zwischen Haugwitz und den Brüdern Stolberg erlauben eine neue Interpretation. Die Briefe geben genau an, wer die Reise veranlasste, wann und wo man sich in Frankfurt traf und Goethe zur Mitreise überredete. Auch weitere Einzelheiten und Reiseeindrücke werden durch diese Briefe belegt. Vor allem aber zeigen sie eins: Alle vier Reisenden waren in ihren persönlichen Liebesbeziehungen unglücklich. In Anlehnung an den Roman Goethes reisten die vier jungen Männer als Werther-Nachahmer und hatten sich für die Reise sogar die von Goethe in seinem Roman geschilderte Kleidung Werthers anfertigen lassen. Die erste Schweizerreise Goethes erweist sich somit als eine Verlagerung des Romans in die Wirklichkeit.

Jörg-Ulrich Fechner ist Professor emeritus der Ruhr- Universität Bochum. Nach seinem Studium der Germanistik und Romanistik lehrte er etliche Jahre zunächst an der Universität Catania, dann an der Universität Cambridge und kehrte 1972 zur Habilitation zurück nach Deutschland.

Daten der Veranstaltung

Referent/in Dr. Jörg-Ulrich Fechner
Veranstaltungsort Seekatzsaal
Termin 11.12.2012
von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
max. Teilnehmerzahl 60
Anmeldefrist 09.12.2012
Veranstaltungskosten Die Veranstaltung ist kostenlos. (Mitglieder)
  4,00 € (Gäste)
Kontakt Martina Falkenau
E-Mail anmeldung@goethehaus-frankfurt.de
Telefon: 069 / 13880-0

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