Der unvergessene Verrat am Mythos

Der unvergessene Verrat am Mythos

Die Wissenschaft in der öffentlichen Phantasie

 

Im Unterschied zu anderen Berufen werden die Wissenschaftler in der Öffentlichkeit, insbesondere aber in der Literatur, mit auffälliger Leidenschaft zu pittoresken Figuren stilisiert. Da ist einerseits die Vorstellung vom Mann im Elfenbeiturm, der sich vor der Welt verkriecht und kuriose Dinge treibt, die niemand versteht und braucht, ein ausgetrocknetes Hirnwesen ohne Sinnlichkeit und Daseinsgenuss. Parallel dazu gibt es die Denkfigur vom Wissenschaftler als Verbrecher, der um seiner Forschungen willen ruchlos Leben aufs Spiel setzt und sogar Leben opfert, solange er nur seinen Interessen auf der Spur bleiben kann. Zum Dritten findet sich, in scharfem Kontrast zu diesen beiden Modellen, der Wissenschaftler als strahlende Erlösergestalt, die der leidenden Menschheit das Heil bringt und die verborgene Wahrheit der Welt aufdeckt. Der Blick in die Weltliteratur zeigt, dass diese Klischeebilder sogar ineinander übergehen können, so dass dieselbe Gestalt einmal so und einmal anders erscheint. Diese unablässige Arbeit der öffentlichen Phantasie an den Vertretern der Wissenschaften ist nicht nur harmlos. Sie kann z.B. Folgen haben für die Bildungspolitik. Die Gründe aber für das bunte Treiben liegen keineswegs auf der Hand. Nach ihnen gilt es zu fragen.

 

Peter von Matt lehrte bis 2002 als Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich und ist Autor zahlreicher Bücher. Er ist u.a. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, der Akademie der Wissenschaften Berlin und der Akademie der Künste Berlin. 1998 erhielt Peter von Matt den Preis der Frankfurter Anthologie.

Daten der Veranstaltung

Referent/in Prof. Dr. Peter von Matt
Veranstaltungsort Arkadensaal
Termin 19.01.2010
von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
max. Teilnehmerzahl Die Zahl der Teilnehmer an dieser Veranstaltung ist nicht begrenzt.
Veranstaltungskosten Die Veranstaltung ist kostenlos. (Mitglieder)
  4,00 € (Gäste)
Kontakt Mona Strey
E-Mail mstrey@goethehaus-frankfurt.de
Telefon: 069 / 13880-266

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